Last update: September 16, 2006

W48 der Klassiker unter den Telefonen

(Werksfoto Siemens & Halske 1956)

Tischfernsprecher W48 

Das Modell W48 ist für die meisten Menschen in Deutschland der Inbegriff eines alten Telefons. Daher wollen wir diesem Apparatetyp eine eigene Seite widmen.

In den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte die Firma Siemens & Halske die Aufgabe, ein neues Standardtelefon für die Deutsche Reichspost zu entwickeln. 1936 wurde dann das Modell 36 auf der Leipziger Messe vorgestellt. Das Gehäuse besteht komplett aus Pressstoff ( Duroplast bzw. Bakelit ). Mit dem Modell 36 wurde der Grundstein für den 
W48 gelegt.

Modell 36 von Siemens & Halske von 1936

 

Dieser Apparat entsprach aber nicht ganz den Vorstellungen der Reichspost. So wurde das Modell 36 bis nach den zweiten Weltkrieg nur von Siemens für private Nebenstellenanlagen verwendet.

Modell 36 von Siemens & Halske (Gehäuse teilweise aufgeschnitten)

 

Werbeprospekt von S&H, 1936: "Neuer Tischfernsprecher Modell 36"

Weitere Vorzüge des neuen Fernsprechers ( MODELL 36 )

Günstigste Form des Handapparates

Die Form des neuen Handapparates ist auf Grund von Tausenden von Kopftmessungen entstanden. Mikrofon und Telefon stehen günstig zu Mund und Ohr. Der neue Handapparat wurde etwas verkürzt und zeigt eine größere Krümmung. Der Griff ist dreikantig aus- gebildet und liegt gut in der Hand. Durch diese neue Form zeigen sich beim Benutzer, selbst bei längeren Gesprächen, keine Ermüdungserscheinungen. 
 
Neue Gabel und Wählscheibe
Aus Gründen der Betriebssicherheit hat die neue Gabel, die Auflage des Handapparates, eine besonders feste Führung erhalten. Die Wählscheibe wurde um einige Grade steiler gestellt, um die Bedienung bequemer zu gestalten und die Sichtbarkeit der Ziffern zu verbessern.
 
Große Standfestigkeit
Durch günstige Gewichtsverteilung und besonders gestaltete Gummifüße wurde eine gute Standfestigkeit auch auf glatter Unterlage erreicht. 
 
Modernes Zubehör
Auf Wunsch liefern wir den neuen Fernsprecher auch mit der dehnbaren Fernsprechschnur, die nur halb so lang wie die übliche ist, sich aber leicht auf doppelte Länge ausziehen läßt.

Quelle: Werbeprospekt von S&H, 1936: "Neuer Tischfernsprecher Modell 36"

 

Nachdem die Änderungen entsprechend der Reichspost umgesetzt wurden, entstand 1938 das Modell W38. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Modell für den Laien nur kaum. Der W38 bekam einen modernen Nummerschalter (Wählscheibe). Die Schaltung des ursprünglichen W 38 war wesentlich aufwendiger als die des Modell 36.

W 38 von Siemens & Halske 1940

 

Durch Ausbruch des Krieges und durch zunehmende Materialverknappung in Deutschland wurden ab 1940 immer mehr die Schaltung der W38 optimiert bzw. reduziert. Selbst die Glockenschalen aus Metall wurden durch Glasglocken ersetzt, um Eisen zu sparen.

Nach dem Krieg wurde der W38 in seiner "Kriegsausführung" fast unverändert in der DDR weiter gebaut, bis in die 60-er Jahre. Der VEB Nordhausen (R-F-T) hatte bei den späteren Modellen des W 38 die Grundplatte aus lackiertem Blech durch eine Grundpatte aus Duroplast ersetzt.  


Werbeprospekt von R-F-T, 1955

In Westdeutschland wurde nach 1948 das Modell W48 eingeführt. Am auffälligsten ist die Veränderung der Einsprache des Handapparats (Hörer). Der W48 wurde wieder mit Glocken aus Metall versehen. Gegen Aufpreis oder eine höhere Miete konnte der Kunde den W48 auch in der Farbe "Elfenbein" bekommen. Die elfenbeinfarbigen W48 wurden gerne in Arztpraxen, vornehmen Hotels und Privathaushalten eingesetzt.  

Maßbild: Tischfernsprecher W48 vom Mix & Genest 1951

 

Der W48 wurde bis Anfang der 70-er Jahre als Standardapparat von der Deutschen Bundespost eingesetzt. Fast alle Hersteller haben dieses Modell für die Bundespost in Lizenz gebaut.

Bis Ende der 80-er Jahre war der W48 an private Nebenstellenanlagen, an manchen privaten Hauptanschlüssen und in den "Amtsstuben" der Behörden zu finden.

    

Schaltpläne von W 48 zum HerunterladenDownload : Schaltpläne vom W48, W48a mit Taste und Schauzeichen 

 

Selbst nach über 50 Jahren ist der W48 noch nicht von Markt verschwunden. In den 90-er Jahren erlebte der W48 ein Comeback. Die Bundespost / Deutsche Telekom hatte einen Nachbau des W48 wieder in das Sortiment aufgenommen. Alte Form mit moderner Technik inkl. der FTZ-Nummer (Zulassung für das öffentliche Netz). 


Werbeprospekt von FRIEDRICH REINER, ca. 1990

Selbst im Jahr 2005 ist der Nachbau des W48 noch über einen exklusiven Versandhandelskatalog zu beziehen.

 Quelle: Fotos - MANUFAKTUM Warenkatalog 14

 

Wir hoffen, daß Sie so einen kleinen Überblick über die Geschichte der Tischfernsprechers W48 bekommen haben. Auf alle Besonderheiten konnten wir in der Kürze dieser Seite nicht eingehen. Wir freuen uns, wenn Ihnen diese Seite gefallen hat.

 

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